Gaiberger Navigationsschablone geht in alle Welt:

Mit Hightech am Kiefer navigieren

Dentale Navigationsschablone hilft bei Zahnimplantationen / Neue ästhetische und medizinische Maßstäbe in der Implantologie / Synchrones Arbeiten dank Datenaustausch zwischen Arzt und Labor

Gaiberg - In Gaiberg wurde unlängst ein medizinisches Hilfsmittel entwickelt, das in kurzer Zeit in Fachkreisen weltweit Verbreitung gefunden hat. Die Rede ist von der so genannten Gaiberger Navigationsschablone, mit der der Zahnimplantologe in der Lage ist, seinen Bohrer millimetergenau im Kiefer des Patienten zu platzieren.

Wolfgang Bollack, Zahntechnikermeister und Leiter eines Dentallabors in Gaiberg erklärt, worum es bei der "Gaiberger Navigationsschablone" überhaupt geht. "Den Begriff der Navigation muss man wesentlich spezieller fassen, als man ihn vom Auto, der Luft- oder Seefahrt her kennt", so Bollack. "Es geht darum, dass der Zahnspezialist, der dem Patienten ein Zahnimplantat einsetzt, wissen muss, an welcher Stelle und in welchem Winkel er den Bohrer anzusetzen hat, um das Implantat richtig einzusetzen, an dem später die Zahnkrone oder auch ein ganzes Gebissteil befestigt wird." Jede dieser "Gaiberger Navigationsschablonen" ist ein individuelles, handgefertigtes Meisterwerk, zu dessen Herstellung hochkomplexe Computerprogramme benötigt werden. Am einfachsten versteht man die Anwendungsweise der Schablone, wenn man den Produktionsprozess schrittweise verfolgt. Es gibt Patienten, die haben durch einen Unfall mehrere Zähne verloren, oder, was weit häufiger ist, sie haben auf Grund einer Parodontitis, einer schwerwiegenden Erkrankung des Zahnhalteapparates, ihre Zähne verloren: Das Zahnfleisch und der Kieferknochen haben sich auf Grund chronischer Entzündungen zurückgezogen, die gesunden Zähne verlieren ihren Halt und müssen gezogen werden. Der Zahnarzt macht nun einen Abdruck von Ober- und Unterkiefer, und der Zahntechniker fertigt hierauf ein so genanntes Setup; dies ist ein Entwurf des später gewünschten Zahnersatzes, eine handgefertigte Schablone aus einem Material, das auf einer Röntgenaufnahme sichtbar ist.

Der Patient wird mit dieser Schablone nun bei einem Radiologen in "die Röhre" geschoben. Hier wird ein Computertomogramm ("CT") des Kiefers angefertigt. Es entsteht ein hochgenaues, dreidimensionales Röntgenbild, das sowohl die exakte Position der Modellzähne des Setup zeigt als auch die gesamte Knochenstruktur und vor allem alle sensible Bereiche wie Nerven und Kieferhöhlen, die geschont werden müssen. Das CT-Bild wird in den Computer übernommen und dort als drehbare 3-D-Aufnahme farbig dargestellt.

Nun beginnt die Arbeit des Implantologen. Zusammen mit dem Zahntechniker wird für jedes Implantat die optimale Position auf dem dreidimensionalen Bild des Setups auf dem Rechner bestimmt. Im Gaiberger Dentallabor Bollack macht dies in der Regel Firmenchef Wolfgang Bollack auf Anweisungen des Implantologen, der per ISDN-Verbindung irgendwo auf der Welt sitzen kann, der aber zeitgleich die identische 3-D-Aufnahme auf seinem Rechner sieht und in allen drei Raumrichtungen verschieben und drehen kann. Wenn nun die Positionen der geplanten Implantate auf Zehntel-Millimeter genau bestimmt sind, müssen die Computerdaten noch auf das Setup übertragen werden. Die Positionen der geplanten Implantate werden im exakten, errechneten Winkel durch Titanbohrhülsen auf dem Setup fixiert - die Navigationsschablone ist so gut wie fertig. "Diese Bohrhülsen sind quasi eine Führungsschiene für den Bohrer in der Hand des Implantologen", erklärt Wolfgang Bollack. Und in die Bohrlöcher werden dann die eigentlichen Implantate eingeschraubt, die Träger der Zahnkronen.

Die Gaiberger Entwicklung wird inzwischen weltweit auf Fachkongressen präsentiert. In der Region macht Bollack als Gründungsmitglied eines speziellen ärztlichen Qualitätszirkels, dem "Forum Innovative Zahnmedizin e.V. (FIZ)" Fachkollegen und vor allem auf Implantologie spezialisierte Zahnärzte mit der neuen Technologie vertraut. Als Autor und Referent ist Wolfgang Bollack inzwischen ein gefragter Fachmann - und dies immer häufiger in Sachen "Gaiberger Navigationsschablone".

Autor: Martin Boeckh

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